Steinkreis in Schottland - Hexerei in Outlander

Hexerei in Outlander

Heute geht es einmal um die Frage, wie Hexerei in Outlander gesehen wird. Diana Gabaldon hat einmal in einem Interview auf die Frage, ob die Steine in Outlander wirklich Magie auslösen, geantwortet: „Ich weiß es nicht.“ Kein Augenzwinkern. Kein natürlich nicht, das ist alles Fiktion. Nur diese drei Wörter, die alles offenlassen. Und an anderer Stelle, zur Frage ob Zeitreisen möglich seien.

„Das glauben sowohl Stephen Hawking als auch ich.“

— Diana Gabaldon über Zeitreisen

Das ist keine Autorin, die Fantasy schreibt und dabei selbst nicht daran glaubt. Das ist eine Autorin, die eine Möglichkeit ernstnimmt – und daraus eine der erfolgreichsten Serien der Welt gemacht hat. Und diese Ernsthaftigkeit verändert alles. Auch den Blick auf die Hexenverfolgung.

Die unbequeme Frage

Wenn Magie real ist – wenn manche Menschen tatsächlich etwas wahrnehmen, etwas hören, etwas spüren, das andere nicht erreicht – dann ist die Geschichte der Hexenprozesse plötzlich eine andere. Nicht mehr nur: Unschuldige wurden verfolgt. Sondern die viel unbequemere Frage: Was genau hat man da eigentlich verfolgt?

Menschen, die anders wahrnehmen, wurden zu allen Zeiten als Bedrohung empfunden. Nicht weil ihre Wahrnehmung falsch war. Sondern weil sie nicht kontrollierbar war.

Die echte Geillis Duncan

Diana Gabaldon hat den Namen nicht erfunden. Die historische Geillis Duncan war eine Magd aus Tranent in Schottland, Ende des 16. Jahrhunderts. Ihr Arbeitgeber wurde misstrauisch, weil sie Heilkräfte besaß und nachts das Haus verließ. Er ließ sie foltern. Unter der Folter gestand sie alles, was man hören wollte – und löste damit eine Prozesslawine aus, die als die Hexenprozesse von North Berwick in die Geschichte eingegangen ist. Etwa 70 Menschen wurden angeklagt. König Jakob VI. schrieb danach ein Buch, in dem er die Hexenjagd ausdrücklich befürwortete.

Das war kein Einzelfall. Schottland hatte, gemessen an seiner Bevölkerungsgröße, eine der höchsten Verurteilungsraten in Europa – zwischen 3 000 und 5 000 Prozesse allein in diesem kleinen Land. Der Aberglauben war tief verwurzelt, Feen und böser Blick keine Metaphern, sondern gelebte Wirklichkeit. Dazu kam ein Rechtssystem, das Verurteilungen erleichterte: In Schottland reichte eine einfache Mehrheit für ein Todesurteil, in England musste das Geschworenengericht einstimmig sein. Und Geständnisse wurden häufig durch Schlafentzug erpresst – nach drei Tagen beginnen Menschen zu halluzinieren. Der Aberglaube war der Zunder. Das System war das Feuer.

Das schottische Hexenbuch „Names of Witches“ von 1658 zeigt, wen man anklagte: fast ausschließlich Menschen am Rand der Gesellschaft. Heilerinnen, Außenseiter, Frauen, die zu viel wussten oder zu wenig schwiegen. Was sie verband, war nicht Schuld. Es war Andersartigkeit.

Claire und Geillis: zwei Frauen, der Hexerei angeklagt

In Outlander heilen beide Frauen. Beide wissen mehr als die Menschen um sie herum. Beide landen auf der Anklagebank – angeklagt von Laoghaire MacKenzie, aus purer Eifersucht. Die Hexerei in Outlander ist nicht das Motiv. Sie ist das Werkzeug, das gerade verfügbar ist.

Den Unterschied zwischen ihnen macht am Ende nicht ihr Wissen, nicht ihr Stand, nicht ihre Unschuld. Es ist ein einziger Mensch, der bereit ist, alles zu riskieren: Jamie reißt Claire buchstäblich aus dem Gerichtssaal. Geillis hat niemanden, der das für sie tut.

Das ist die eigentliche Geschichte der Hexenverfolgung: nicht Magie gegen Vernunft, sondern Macht gegen Ohnmacht. Andersartigkeit als Verbrechen. Und Überleben als Frage der Loyalität eines Einzelnen – nicht als Frage der Gerechtigkeit.

Geillis ist dabei eine faszinierende Figur, weil sie sich dem einfachen Mitleid verweigert. Sie ist schuldig – nur nicht wessen man sie anklagt. Sie bringt Ehemänner um, sie manipuliert, sie hat eine Agenda, die über alles andere geht. Und trotzdem ist der Scheiterhaufen falsch. Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Hexerei in Outlander

Gabaldon lässt die Frage offen, ob die Steine wirklich Magie auslösen. Ich finde das mutig. Es ist die ehrlichste Antwort, die eine Autorin geben kann: Ich weiß es nicht. Aber ich nehme es ernst.

In CALIGO habe ich denselben Gedanken weitergesponnen – nur mit anderen Mitteln. Die Inquisition meiner Welt operiert nicht mit Scheiterhaufen, sondern mit psychiatrischen Diagnosen. Der Mechanismus ist derselbe: Wer anders wahrnimmt, wer mehr sieht als erlaubt, wird zum Problem erklärt. Der Name ändert sich. Die Struktur nicht.

Die verborgene Welt hinter der Magie

Was, wenn Inquisition, Kriege und Klimakatastrophen eine uralte Ursache haben? CALIGO spielt nicht in einer Fantasywelt – sondern in der Pfalz. Und was dort in den Kellern schlummert, hat Hunger.

Jetzt entdecken →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert